Persönlicher Reisebericht von Stefanie Frohberg von der Mont-Blanc-Trophy-2010:
Unsere Reise in das winterlich verschneite Norditalien begann am 2. Februar 2010 früh morgens um 4:30 Uhr. Dankbar, dass unser Trainer René Lohse, der aufgrund der gemeinsamen Olympiavorbereitung mit Christina & William Beier leider nicht mitkommen konnte, uns in der frühen Morgenstunde zum Flughafen brachte, so begann für uns die Herausforderung „Courmayeur 2010“.
Am Flughafen angekommen, trafen wir zugleich auf Jutta, unsere Choreografin & Balletttrainerin. Diesmal betreute Sie uns bei diesem Wettbewerb, das erste Mal überhaupt, dass Sie allein die Verantwortung übernehmen musste.

Unser Flug ging um 7:35 Uhr, bis dahin hieß es dann erstmal sämtliche Personen- und Taschenkontrollen zu durchlaufen und natürlich zu „warten“. Übrigens eine Beschäftigung, die uns während der gesamten Reise verfolgte, leider!
Nachdem Jutta, Christina & Willi bei ihrem Rückflug von der EM aus Tallin zurück nach Berlin einen ca. 1-minütigen Sturzflug miterleben mussten, und dabei unvorstellbare Todesängste verspürten, sollte dieser Flug für uns einer mit allerlei „Kribbeln“ im Bauch werden!
Gegen 9:20 Uhr landeten wir dann nach einem turbulenzenlosen Flug gut in Mailand, wo wir eigentlich von einem Shuttlebus des Veranstalters der Mont-Blanc-Trophy abgeholt werden sollten, nur weit und breit war niemand zu sehen, der auf uns zu warten schien. Natürlich waren wir darauf nicht vorbereitet und hatten keinerlei Telefonnummern oder sonstiges mit, um uns zu Rücksprache nehmen zu können. So musste dann erst einmal eine telefonische Verbindung nach Deutschland (zu Tim’s jederzeit hilfsbereiten Schwester Mona) geschaffen werden, um die notwendigen Telefonnummern zu erfragen, mit denen wir aber auch nicht mehr in Erfahrung bringen konnten, da niemand erreichbar war.
Wir zogen schon die Möglichkeit mit dem Taxi zu fahren in ernsthafte Erwägung, als wir allerdings einen Betrag von über 400,00 € für diese Dienstleistung hätten zahlen sollen, beschlossen wir lieber noch ein wenig in einem Café auf dem Flughafen zu warten. Genau in diesem Augenblick kam ein nicht so gut englisch-sprechender Mann auf uns zu und erklärte uns, dass er an einem anderen Terminal auf uns gewartet hatte, an dem auch noch andere Teilnehmer des Wettbewerbes gelandet waren bzw. noch landen werden. So fuhren wir gemeinsam mit ihm zu diesem Terminal und dachten, dass es nur noch einige Minuten dauern würde, ehe wir dann losfahren können. Schließlich wollten wir ja auch noch das Training um die Mittagszeit herum schaffen (übrigens der Grund, weshalb wir so früh geflogen sind!). Aber die Wartezeit verlängerte sich nicht unwesentlich auf gute 3 Stunden. Das war natürlich nicht so geplant und demzufolge konnten wir uns von dem Gedanke noch ein erstes Training absolvieren zu können, verabschieden. Schade, denn so hätten wir auch einen Flug später nehmen können und hätte in Ruhe ausschlafen können.
Endlich losgefahren, überlegte ich, wie ich die Fahrtzeit von ca. 1¾ Stunden sinnvoll überbrücken könnte und holte schließlich meine Mathematikhausarbeiten heraus. Nun, ich gestehe, dass Mathe nicht unbedingt mein Lieblingsfach ist, und was kann einem da besseres passieren, als einen hervorragenden BWL-Studenten an seiner Seite zu haben, der einem alles erklären kann. Und so versuchte mir Tim dann geduldig wie immer die Gesetzmäßigkeiten der Mathematik zu erklären, was ihm na ja mehr oder weniger gelang (das lag aber mehr an mir, als an ihm!).
Kurz nach 15:00 Uhr erreichten wir dann den wunderschönen Wintersportort „Courmayeur“ nach mehr als 10-stündiger Fahrt. Nun hieß es erstmal sich zu akkreditieren, sowie sich die Eishalle anzuschauen und danach ging es dann endlich in unser kleines aber dafür völlig ausreichendes Hotel.

Am frühen Abend sollte es dann noch einige Worte des Ausrichters dieses Wettkampfes an die Teilnehmer geben und die Zeitpläne wurden in der überarbeiteten Fassung ausgegeben.
Im Anschluss beschlossen wir - alle sehr hungrig - noch eine Kleinigkeit essen zu wollen und suchten nach einer typisch italienischen Pizzeria. Diese fanden wir auch, aber aus einer Kleinigkeit zu essen, wurde hier eine Pizza mit einem Durchmesser von bestimmt 35 cm. Zwar war der Pizzaboden hauchdünn, trotzdem passten die 2 Pizzen gegenüber nicht auf einen Tisch. Das was nicht geschafft wurde, das verspeiste Tim noch so nebenbei bzw. das letzte Stück haben wir uns einpacken lassen und 1½ Std. später aß er dieses Stück dann auch noch, unglaublich!
Am Abend schauten wir noch einige Serien der echt amüsanten Serie „Will & Grace“ und nebenbei verhalf ich meinen Schlittschuhen noch zu neuem Glanz, denn es sollte ja alles passen zu unserer letzten Vorbereitung vor der JWM.
Am nächsten Tag stand dann schon der erste Wettkampfpart der Pflichttanz mit dem „Westminster Walzer“ auf dem Programm. Das heißt für mich immer 1½ Std. für das Haare machen und schminken einplanen. Ja, das Eistanzen, das hat so seine eigenen Gesetze und auf das Äußere wird hier u.a. sehr viel Wert gelegt. Desweiteren gehört natürlich eine ausgiebige Erwärmung zu einer guten Wettkampfvorbereitung. So sollte also einem guten Auftritt nichts mehr im Wege stehen.
Mit der Startnummer 5, also die ersten der zweiten Gruppe, konnten wir eine persönliche Bestleistung der Saison auf das Eis zaubern und konnten sichtlich zufrieden sein. Wir schauten uns noch den Rest der Konkurrenz gespannt an und mussten feststellen, dass nur die Italiener Lorenza Alessandrini und Simone Vaturi scheinbar etwas besser waren als wir. Aber damit konnten wir voll zufrieden sein und waren schon voller Vorfreude auf den Orginaltanz, den wir als letzte der gesamten Konkurrenz, am darauf folgenden Tag laufen mussten. Eigentlich schien alles perfekt, wir waren „heiß“, d.h. wir wollten echt einen super guten OD laufen, die Motivation & Anspannung war voll da, nur mussten wir nach unserem Einlaufen nochmals sehr lange auf unseren Auftritt warten, wodurch wir recht kalt wurden. Somit liefen wir einen sauberen (nur ein kleiner Wackler im Twizzle), aber nicht so überzeugenden OD, wie eigentlich vorgenommen. Trotzdem konnten wir den 2. Platz halten und bauten den Vorsprung zum 3. Platz sogar noch aus, verloren aber auch ein paar Pünktchen auf den 1. Platz.
Aber alles in allem waren wir wahrscheinlich wieder kritischer mit uns selber, als wir es eigentlich hätten sein müssen, das bewiesen ja die Zwischenergebnisse.
An unserem letzten Wettkampftag hatten wir am Vormittag etwas Zeit, welche ich dafür nutzte in das Dörfchen zu gehen, um einige Souvenirs für Familie und Freunde zu erstehen. Ein schönes Unterfangen in dichtem Schneetreiben. Es hatte nämlich innerhalb von 24 Std. gute 60 cm Neuschnee gegeben, wirklich ein traumhafter Anblick.

Am späten Abend mussten wir dann erst unsere schöne Kür zu „La Mer“ laufen. Gerade wollten wir als erstes Paar der letzten Startgruppe zu unserem Kürvortrag einlaufen, da entschied der Schiedsrichter anders. Aufgrund eines Sturzes des britischen Paars während des Einlaufens, wodurch viele Strasssteinchen von den Kostümen auf das Eis gefallen waren, sollte das Eis neu präpariert werden und es sollte auch ein neues Einlaufen geben. Durch dieses erneute warten verloren alle Sportler so ein bisschen die Konzentration und Anspannung, und jedem von uns passierten so ein paar kleine Fehlerchen. So erging es also auch uns nicht anders, aber alles in allem konnten wir noch mit einer kämpferischen Leistung ein nicht ganz so ideales Programm gut zu Ende laufen und unseren 2. Platz hinter den Italienern und vor den Briten behaupten.

Nach dem Wettbewerb, erkundigten wir uns noch kurz bei der für Deutschland wertenden Preisrichterin Claudia Stahnke, woran wir hinsichtlich der JWM noch arbeiten sollten und verpassten dadurch fast die Siegerehrung. Na ja, das sind solch kleine Anekdoten, die einem wohl noch länger in Erinnerung bleiben werden.
Nach der ganzen Aufregung konnten wir uns nun entscheiden, ob wir uns noch wenigstens ein paar Stunden Schlaf gönnen wollen oder ob wir bis zu unserer Abfahrt aufbleiben wollten. Da wir mit dem „Nächte durchmachen“ vor langen & anstrengenden Wettkampfrückreisen schon desöfteren in dieser Saison nicht so gute Erfahrungen gemacht haben, entschieden wir uns dafür uns doch noch für die paar Stunden hinzulegen, die richtige Entscheidung, wie ich finde!!! Denn um 4:14 Uhr wurden wir bereits von dem Shuttle abgeholt, da taten die knappen 4 Stunden Schlaf wirklich gut.
Am Flughafen angekommen, gaben wir zuerst unser Gepäck auf und mussten anschließen ein gutes Stündchen warten, ehe wir überhaupt zum „boarding“ gehen konnten. Während dieser Wartezeit konnte ich (Tim zog es vor zu ruhen) einen wunderschönen Sonnenaufgang beobachten. Dann dauerte es allerdings weitere 30 Minuten, ehe wir überhaupt in das Flugzeug konnten, so hieß es mal wieder „warten“! Mit bestimmt einstündiger Verspätung konnten wir dann endlich von Mailand losfliegen und waren sehr froh nach dieser strapazierten Reise wieder daheim zu sein.
So endete unsere zum einen recht erfolgreiche, zum anderen aber auch sehr strapaziöse Wettkampfreise.
Rückblickend kann man sagen, dass uns dieser Wettbewerb noch mal richtig viel Ansporn für die darauf folgenden Trainingswochen in Vorbereitung auf die JWM gegeben hat und wir viele Erfahrungen mitnehmen konnten. Und ganz nebenbei haben wir ja auch noch einen 2. Platz erreichen können.
Eure Stefanie Frohberg
