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Voller Vorfreude und großer Erwartungen machten wir uns auf den weiten Weg nach Kanada. Hierfür war ein Zwischenstopp auf dem Frankfurter Flughafen sozusagen obligatorisch. Aufgrund der Größe dieses Flughafens sollen sogar schon mal Leute verschwunden sein und wurden als vermisst gemeldet. Mit diesem Wissen heftete ich mich einfach an meine zwei Männer, so konnte mir ja gar nichts passieren. Ein erstes kleines zweites Frühstück nahmen wir dann dort auf dem Flughafen in der „Goethe Bar“ ein, im Vorwissen, dass das Essen im Flugzeug wahrscheinlich nicht so der „Hammer“ sein wird.
Als wir dann zum „Boarding“ zu unserem zugewiesenen Gate gingen, entdeckten wir noch andere Läufer, die ebenfalls wie wir nach Kanada zu den Grand Prix reisten. Darunter waren u.a. Artur Gachinski aus Russland mit seinem Trainer Alexei Mishin, das französische Eistanzpaar Pernelle Carron / Lloyd Jones, Kristina Gorshkova und Vitali Butikov aus Russland und noch weitere.
Wir suchten unsere Plätze und überstanden den gut 8 ½ -stündigen Flug recht gut. Nachdem wir die Passkontrolle passiert hatten und glücklicherweise auch alle unsere Gepäckstücke den Weg nach Ottawa gefunden hatten, gingen wir zu dem Bus-Shuttle, welches uns in das ca. 200 km entfernte Kingston in Ontario brachte. Die Fahrt zog sich lange hin und so langsam machte sich wirklich die Müdigkeit breit. Immerhin war es in Deutschland bereits nachts 2 Uhr. Alle freuten sich nach der langen und recht anstrengenden Reise endlich im Hotel angekommen zu sein. Es ging dann eigentlich nur noch ab zur Akkreditierung und im Anschluss bloß schnell ins Bett. Alle hofften gut schlafen zu können, aber bei den wenigsten war dieses der Fall. Spätestens früh um 6 Uhr war die Nacht dann zu Ende, obwohl die allgemeine Müdigkeit verriet, dass man noch unter Schlafmangel litt. Aber so zeigt sich eben immer wieder, dass die Anpassung an eine neue Zeit nicht so schnell geht wie erhofft.
Wir nahmen zur Stärkung dann ein recht amerikanisches Frühstück mit typischen Köstlichkeiten wie Bagels, Muffins, Oatmeal und natürlich Rührei mit Speck ein. Nun wollten wir zuerst einmal in die nahe gelegene Eishalle (10min Fußweg) gehen, um uns einerseits ein wenig zu bewegen (kurze Athletikeinheit) und uns im Anschluss andererseits das erste Training der Frauen anzuschauen.
Am Nachmittag so gegen 16 Uhr hatten wir dann unser erstes Training. Wir empfanden das Eis qualitativ für äußerst gut, konnten uns auch recht schnell an die schmalere Eisfläche gewöhnen (da wir daheim im Training bereits unter diesen Bedingungen trainiert hatten). Für das erste Training dort vor Ort, mit der langen Reise des Vortages in den Gliedern, konnten wir wirklich sehr zufrieden sein mit unserer Leistung. Einzig Tim hatte noch ein bisschen mit dem Jetlack zu kämpfen, ihm war ein wenig schwindelig und übel.
Am nächsten Tag (es war mittlerweile bereits Freitag) sollte dann unser erster Auftritt bei einem Grand Prix folgen. Im Laufe des Tages hatten wir noch einmal ein Training in Vorbereitung auf unseren Shortdance am Abend. Alles klappte sehr gut, wir konnten zuversichtlich in den Wettbewerb gehen. So stieg die Aufregung sehr, denn wann läuft man schon mal vor ca. 4000 Zuschauern, als Nobody und zugleich wird der Wettbewerb auch noch live im TV übertragen und von den kanadischen Weltmeistern und Olympiasiegern Tessa Virtue und Scott Moir kommentiert. Da kann man schon mal zittrige Knie bekommen. Und genau so erging es mir. Ich glaube Tim war da schon noch ein wenig ruhiger. Aber zusammen wollten wir das schaffen und so betraten wir das Eis und wollten unsere beste Leistung zeigen.
Wir kamen ohne größere Fehler durch den Shortdance, hier und da waren es Kleinigkeiten, die noch nicht so einwandfrei klappten. Aber erstmal war es geschafft und wir konnten uns mit der Punktzahl von genau 43 Punkten auf dem 7. Platz einordnen. Das hätten wir vorher auch nicht unbedingt so erwartet. Im Anschluss konnten wir erst einmal kräftig durchatmen und schauten uns die folgenden Paare an, um vor allem für die nahe Zukunft zu wissen, woran wir noch arbeiten müssen.
Schlafen konnten wir in dieser Nacht besonders gut, da am nächsten Tag nur ein Training auf dem Programm stand. So nutzten wir die Zeit am Vormittag um uns den Wettbewerb der Damen anzuschauen und sahen zur Abwechslung mal keine Sturzmeisterschaften, wie das bei den Damen ja meistens der Fall ist. Nein es kamen fast alle fehlerlos durch ihre Kurzprogramme. Das erfreute nicht nur uns, sondern auch das ganze restliche kanadische Publikum.
Unser Kürtraining fand so gegen 15.30 Uhr statt und wieder konnten wir sehr zufrieden sein. Im Anschluss nutzen wir zur Entspannung den Whirlpool in dem „Wellnessbereich“ unseres Hotels, um uns ein wenig Entspannung zu gönnen. Den Abend verbrachten wir bei einer Runde Skat, bei der wir äußerst viel Spaß hatten.
Am Sonntag sollte es dann noch mal spannend werden. Die Kür stand auf dem Plan. Um 12.35 Uhr begann unser Einlaufen. Zwei Paare mussten wir abwarten, bevor wir als drittes Paar an der Reihe waren. Es war wieder eine gewisse Aufregung und Anspannung zu spüren, allerdings nicht mehr in dem Maße wie vor dem Shortdance. Wir wussten wir können gut laufen und sprachen uns Mut zu. Und genau mit dieser Einstellung liefen wir unser Kürprogramm. Es wurde ein Durchlauf mit kleineren Fehlerchen, die der Zuschauer wahrscheinlich gar nicht erkennen konnte, aber leider unterlief uns auch ein etwas schwerwiegenderer Fehler bei einer Hebung. Sie war zu kurz gehalten, wodurch uns das gesamte Element aberkannt wurde und mindestens 5 Punkte verloren gingen. Das war sehr schade, denn der Rest des Programms war wirklich sehr gut gewesen. Aufgrund der fehlenden Punkte erhielten wir für die Kür nur eine Punktzahl von 62,10 Punkten und vielen noch hinter das kanadische Paar zurück. Eine kleine Enttäuschung, aber so ist das eben im Sport. Es passieren Fehler, das ist schade aber menschlich.
Alles in allem konnten wir trotzdem mit vielen positiven Emotionen nach Hause fahren und äußerst viel für die Zukunft mitnehmen. Es war eine große Motivation dabei gewesen zu sein und macht in jedem Falle Lust auf mehr. Bereits nächste Woche bei unserem zweiten Grand Prix in Portland (USA) möchten wir an unsere Leistung anknüpfen und natürlich noch besser laufen.
Wir bedanken uns bei allen, die uns über die ganze Zeit lang unterstützt haben, uns die Daumen gedrückt haben und mitgefiebert haben. Wir hoffen ein Stück weit von dieser Herzlichkeit zurückgeben zu können. Nochmals ganz lieben Dank an alle und natürlich weiter fleißig die Daumen drücken. Das würde uns sehr freuen.
Viele Grüße von Steffi & Tim!!!